Gottesdienst und Neuijahrsempfang Groß Lengden

29. Januar 2026
Kurz vor Beginn (Foto: L. Heinke)
Kurz vor Beginn (Foto: L. Heinke)

„Für mich eine etwas ungewohnte Umgebung“ gab Pastor Eric Janssen zu Beginn des Gottesdienstes zu: die beiden Veranstaltungen fanden ja in der Sporthalle des Dorfgemeinschaftshauses statt.
Für die Predigt kündigte er eine durchaus politische Auslegung des Bibeltextes an: Bei Matthäus 8 in den Versen 5 – 13 wird die Geschichte des (römischen) Hauptmanns erzählt, der Jesus für seinen gelähmten Diener um Heilung bittet, sein Heim aber nicht wert findet, von Jesus besucht zu werden. Er vertraut stattdessen darauf, dass ein Wort von Jesus ausreichen werde, den Diener zu heilen. Jesus ist erstaunt über diesen starken Glauben. Er sagt: „Geh, es soll Dir geschehen, wie Du geglaubt hast“ – und von dem Moment an war der Diener gesund.

Pastor Janssen hob zwei Aspekte hervor: der Hauptmann wusste schon von seiner Stellung her sehr genau, welche Macht ein Wort haben kann: „Denn auch ich muss Befehlen gehorchen und ich habe selbst Soldaten unter mir. Sage ich nun zu einem: ‚Geh!‘, so geht er, und zu einem andern: ‚Komm! so kommt er“, wird er zitiert. Er glaubt also im Vertrauen auf das Wort.

Pastor Janssen (Foto: L. Heinke)
Pastor Janssen (Foto: L. Heinke)

Bemerkenswert ist aber auch, dass es sich bei dem Hauptmann ganz sicher um einen Römer handelt, also keinen Juden, keinen Glaubensbruder. Dennoch zögert Jesus nicht, ihm zu helfen. Und Pastor Janssen erwähnt auch eine weitere Stelle aus der Bibel (Paulus), in der völlig klar ist, dass die Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft keine Voraussetzung für Besuche oder Hilfe ist.

Warum – so fragt Pastor Janssen – ist das so: Weil die Menschen nach dem Bild Gottes geschaffen sind, und zwar alle Menschen. Insofern haben sie alle die gleichen Rechte. „Menschenwürde“ sei ein oft benutztes Wort heutzutage, werde aber eben meist nur in Bezug auf einzelne Menschengruppen, nicht auf alle Menschen bezogen. Und Pastor Janssen zitiert die Präambel des Grundgesetzes: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen …. hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.“ – gefolgt vom Artikel 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Die Mütter und Väter des Grundgesetzes hätten sehr bewusst diesen Einstieg gewählt und sich auf die Menschenwürde als Recht ALLER Menschen bezogen, , unabhängig von Religion, Herkunft, Geschlecht.

Es wäre – so schloss Pastor Janssen seine bemerkenswerte Predigt – sicherlich gut, sich heute auf allen Ebenen des Zusammenlebens und der Politik immer wieder an diesen Zusammenhang zu erinnern.

Den musikalischen Rahmen im Gottesdienst setzte gewohnt souverän Sylvia Serwazi. Sie hatte die Orgel notgedrungen gegen ein deutlich leiseres Keyboard eingetauscht, auf dem sie der Gemeinde dennoch über die eine oder andere gesangliche Herausforderung hinweghelfen konnte.

Ortsbürgermeister Klingelhöfer (Foto: L. Heinke)
Ortsbürgermeister Klingelhöfer (Foto: L. Heinke)

Nach einer kurzen Pause eröffnete Ortsbürgermeister Heinrich Klingelhöfer im Namen des Ortsrates und der Kirchengemeinde Lengder Burg den Neujahrsempfang. In seinem Bericht über das vergangene und das aktuelle Jahr erwähnte er unter anderem den geplanten Ausbau der Landstraße (ab 2027, geplante Bauzeit zwei Jahre) sowie den Glasfaserausbau mit der Fa. GöTel („… noch nie so viele Klagen über eine Firma gehört…niemand weiß, wann es weitergeht“). Ebenfalls unklar sei die Frage der Errichtung des Funkmasts in Groß Lengden („…viel Aufregung um nichts …“). Er bedankte sich bei zahlreichen Personen und Gruppen für ihre Unterstützung auf ganz unterschiedlichen Ebenen (Naturschutz, aufräumen etc).

Kirchenvorstandsvorsitzende Ulrike Weberschock betonte in ihrem Grußwort die große Freude, dass mit Pastor Janssen wieder ein Pfarrer in der Gemeinde aktiv sei, auch wenn die Gemeinde sich die Stelle mit der Apostelgemeinde in einer Pfarramtlichen Verbindung teile. Weiterer wichtiger Punkt war natürlich die Renovierung der Kirche: trotz der zeitlichen Verzögerung (die ordnungsgemäße Setzung der Firstziegel hatte sich als problematisch herausgestellt) sei das veranschlagte Budget nicht überschritten..

KV Vorsitzende Ulrike Weberschock (Foto: L. Heinke)
KV Vorsitzende Ulrike Weberschock (Foto: L. Heinke)

Für den Förderverein Treffpunkt Dorfladen sprach Regina Klingelhöfer über die Situation vor Ort. Sie halte den Dorfladen für einen zentralen Ort im Dorf, den zu erhalten von großer Bedeutung sei. Darum sei wichtig, wenigstens einmal die Woche dort einzukaufen („nirgendwo gibt es so gute Brötchen“) und auch zu den unterschiedlichen Veranstaltungen des Fördervereins zu kommen, die zukünftig gemeinsam mit dem Liederkranz ausgerichtet werden und am Backhaus stattfinden sollen

75 Jahre Freiwillige Feuerwehr und 50 Jahre Jugendfeuerwehr gebe es zu feiern, so Karsten Strohschen in seinem Beitrag, in dem er zu den regelmäßigen Treffen einlud. Vor allem aber – so Strohschen – sei festzuhalten, dass bei Bränden in unserer Gemeinde nicht, wie gelegentlich erwartet werde, die Berufsfeuerwehr aus Göttingen anrücke. Deren Aufgabe liege im Stadtgebiet Göttingen: die Brandbekämpfung in den Gemeinden sei Aufgabe der Freiwilligen Feuerwehren vor Ort. „Wir können stolz sein, dass wir noch eine funktionierende Feuerwehr haben“. Die 365 Tage im Jahr rund um die Uhr bereit sei zu helfen, bei Bränden, Unfällen, mehrtägigem Stromausfall. Unterstützung ist jederzeit herzlich willkommen.

Anne Jeschina stellte sich als neue Leiterin der KITA vor. Sie übernimmt das Amt von Andrea Schöning („die auch meine Gruppenleiterin war“) und freut sich auf die Zusammenarbeit mit den Eltern.

Die Leiterin der Grundschule Groß Lengden, Silke Preuße , berichtete über bereits durchgeführte sowie geplante Erweiterungen und Sanierungen („sanitäte Anlagen!“) im Schulgebäude und zeigte sich zuversichtlich, dass diese Planungen bis Ende 2027 umgesetzt werden können. Als inhaltlichen Schwerpunkt nannte sie die Projektwoche „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“. Zur Präsentation der Ergebnisse im Juni sei das gesamte Dorf sehr herzlich eingeladen. Auch der Förderverein der Grundschule freue sich über Mitwirkende, egal, ob mit Grundschulkindern oder ohne.

Abschließend nahm Eric Janssen noch einmal das Wort, um in einer kurzen Vorstellung ein paar Dinge über sich und seinen Werdegang zu erzählen. Mit dem wohl kürzesten Dankgebet eröffnete er das Buffet mit veganen und fleischhaltigen Gerichten aus den Küchen einiger Kirchenvorstandsmitglieder.

Beim Essen gab es gute Gelegenheit, sich auszutauschen und das eine oder andere Thema zu vertiefen oder auch ganz neue anzureißen. Gegen 13.30 endete eine gute und informative Veranstaltung, die gerne ein paar mehr Besucher verdient gehabt hätte.