Ich persönlich schätze am Gottesdienst u.a. die Auslegung der jeweiligen Bibelstelle und die damit verbundenen Brücken zu einem oftmals sperrigen Text. Die diesjährige Bibelstelle scheint auf den ersten Blick diese Brücke nicht zu erfordern. Gott spricht: Siehe ich mache alles neu. Spontan fallen mir dabei allerdings die Bilder aus den weltweiten Kriegsgebieten ein, die unermesslichen Zerstörungen dort. Ist das das „neu“, das in diesem Bibelvers gemeint ist? Vielleicht hilft die pastorale Erläuterung doch.
Statt einer Einordnung hielt Pastor Janssen zunächst Irritationen bereit: Nicht nur, dass er erstmalig zur Jahreslosung predigte. Und dies, wo das Jahr schon einige Wochen alt ist. Vor allem Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Losungen insgesamt schwang in seinen Worten mit. Herausgelöst aus dem Kontext könne man in einen Vers alles Mögliche hineinlesen. Auch wirkten die jeweiligen Losungen auf ihn weniger „gelost“ als viel mehr gezielt zur aktuellen gesellschaftlichen Lage ausgesucht. Vor diesem durchaus kritischen persönlichen Hintergrund schlug er den Bogen zur Situation vieler Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes. Der Jahresanfang sei für viele von uns sicher mit guten Vorsätzen verbunden. Aber: Vieles von dem, was Gott in der Bergpredigt oder in den 10 Geboten formuliert, das habe sich von uns wohl kaum jemand vorgenommen. Und mit Blick auf durchaus positive Wünsche wie beispielsweise „mehr Gesundheit“ verstärkte er die anfängliche Irritation. So wichtig sie für jeden einzelnen von uns seien, vor Gott oder in der Bibel spielten sie überhaupt keine Rolle. Etwas anderes sei, wenn es um die Gesundheit anderer gehe. Sich um kranke Menschen zu kümmern oder für sie zu beten, entspräche viel mehr der Bibel. Selbstoptimierung, um es modern zu formulieren, sei kein christliches Gebot. Gott zu dienen, die anderen Menschen zu lieben, darum ginge es im Christentum. Uns selbst liebten wir in der Regel auch so schon. Noch so eine Irritation, die auf dem Rückweg vom Gottesdienst Gesprächsstoff bot.